Vereinsgeschichte in Jahrzehnten – die 50iger

Es war im Jahre 1950 als sich die beiden Kelheimer Hermann Braun und Theo Förstl am Stadtplatz trafen. Dabei erzählte Hermann Braun von seiner Idee, einen Segelfliegerverein zu gründen. Mit der Frage „Würdest du dich fürs Fliegen interessieren? Vielleicht finden wir ein paar Leute.“ stieß er sofort auf Zustimmung und konnte einige Flugbegeisterte in Kelheim und Saal finden. Dazu zählten Vorkriegsflieger, Modellbaubegeisterte und Männer die während des 2. Weltkriegs im Flugzeugbau tätig waren. Mit dem 28. September ging die Gründung des Segelfliegerverband Kelheim e.V. in das Vereinsregister ein und 24 anwesende Mitglieder wählten die Vorstandschaft.

Emil Ott ist es, der uns heute erzählt „Ich hatte damals zwar nicht viel Zeit, aber ich wollte unbedingt mit dabei sein und den Verein unterstützen. Schon als Kind haben mich die ersten Flugversuche an den Winzerer Hängen begeistert.

Der Verein war gegründet, doch wie ging es nun weiter? In Deutschland waren Segel- und Motorflug zu der Zeit durch die Besatzungsmächte untersagt, nur der Modellbau war erlaubt. Die Kelheimer Segelflieger bauten eigene Modelle und nahmen an Wettbewerben teil. Doch was ist ein Segelflugverein ohne ein echtes Segelflugzeug? Und wollten wir nicht eigentlich fliegen?

Noch bevor der Segelflug in Deutschland erlaubt wurde, machte sich der Verein daran, den Traum vom Fliegen umzusetzen. Dazu brauchte es ein Flugzeug, eine Unterkunft und eine Startwinde. Gesagt getan. Der Verein teilte sich in drei Gruppen auf und jede einzelne davon meisterte ihre Aufgabe mit unermüdlichem Einsatz. Angefangen bei den 12 Mitgliedern, die mithilfe von Bauplänen das Segelflugzeug vom Typ „Grunau Baby III“ erbauten. Meist nachts, wurde das Baby über einen Zeitraum von 18 Monaten hinweg im Dachgeschoss der Schreinerei Braun erbaut. Die Vereinsmitglieder leisteten erstaunliche Arbeit. Während dieser Zeit war die Schreinerei für die Flieger ein Zuhause. Die Familie Braun hat durch diese Hilfe einen wertvollen und entscheidenden Beitrag zum Gelingen des Vorhabens geleistet. Dafür sei auch heute, nach 70 Jahren, noch ein großer Dank ausgesprochen. Die Brüder Hermann und Josef Braun waren lange aktive Flieger und der Sohn Johann ist noch heute aktives Mitglied.

Somit war Ziel eins erreicht. Brauchte es noch eine Winde und einen Ort, um das Flugzeug und die benötigte Werkstatt unterzubringen. Mit starker Unterstützung der ortsansässigen Firma A&C Kosik, wurde in vielen Arbeitsstunden die erste Winde des Vereins auf einem Militärfahrzeug erbaut. Aufgrund der fehlenden Leistung konstruierten die Mitglieder bald eigens eine zweite Winde, die sich aus einem schrottreifen Opel Blitz Lastwagen, einem Omnibusmotor und einer Turbo-Kupplung zusammensetzte.

Fehlte nur noch die Unterkunft. Hierfür konnte eine Baracke der Zellwolle abgebaut und auf einem Grundstück am Kanalhafen wiederaufgebaut werden. Damit hatte der Verein für die nächsten 7 Jahre ein Zuhause, welcher in der Zwischenzeit in Flugsportverein Kelheim e.V. umbenannt wurde. Nur durch das Zusammenspiel der drei Gruppen, konnte das Fliegen für den Verein ermöglicht werden.

Mittlerweile war der Segelflug auch von Regierungsseiten her offiziell erlaubt und der Verein bereit für seine ersten Starts. Diese fanden auf dem Messerschmitt Gelände in Regensburg statt. Von nun an ging es mit dem Grunau Baby und einem Schulgleiter SG38, den der Verein für Schulungszwecke gekauft hatte, nach Regensburg. In weiterer Eigenleistung wurde ein Doppelsitzer vom Typ Mü13E im Rohbau gekauft und fertiggestellt. Dieser erweiterte zusammen mit dem Doppelsitzer Bergfalken II den Flugzeugpark der Kelheimer.

Der Aufwand, die Fluggeräte samt Zubehör täglich nach Regensburg zu transportieren, war groß. Nach langen und zähen Verhandlungen der Stadt Kelheim und einigen Landwirten konnte der Wunsch nach einem eigenen Fluggelände erfüllt werden. Emil Ott hat hier einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, dass die „Donauwiesen“ zwischen Damm und Donau in Kelheim, als Landebahn gepachtet werden konnten.

„Ich weiß noch wie wir dort immer gelandet sind. Man musste knapp über die Befreiungshalle fliegen und unten auf die Lampen der Brücke achten, um in der knapp 250 Meter langen Bahn zu landen. Das war schon spannend.“

Im Jahr 1958 musste die Unterkunft am Kanalhafen aufgegeben werden. Dafür wurde gleich in der Nähe der Donauwiesen, am Pflegerspitz, eine Halle in Eigenleistung errichtet, die bis 1976 im Vereinsbesitz war. Einen Großteil der Erd-, Maurer- und Teerarbeiten wurden von Ludwig Amann organsiert. Für diese Leistung ist der Verein noch heute zu großem Dank verpflichtet. 1957 verkaufte man das Grunau Baby III und erwarb dafür den Leistungssegler L-Spatz 55, getauft auf den Namen Donaumöve III. Die Fliegerei in Kelheim war also in vollem Gange.

Im ersten Jahrzehnt unserer Vereinsgeschichte ist viel passiert und in der turbulenten Nachkriegszeit, war die Fliegerei mit Sicherheit kein einfaches Hobby. Umso größer ist heute die Bewunderung für den Einsatz der Gründungsmitglieder.

Besonderer Dank geht hier auch an unser letztes verbliebenes Gründungsmitglied Emil Ott. Seit 70 Jahren ist er Teil des Vereins und unterstützte diesen auf vielen Wegen. Dafür wurde er in der diesjährigen Jahreshauptversammlung für 70 Jahre Mitgliedschaft geehrt. Emil, vielen Dank für deine große Unterstützung und für die Begeisterung, mit der du nach so vielen Jahren immer noch mitten im Vereinsgeschehen bist.

Emil Ott und Luitpold Kaspar

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