Vereinsgeschichte in Jahrzehnten – die 2000er

Und schon wieder ist ein Monat vorbei. Heute sind es die 2000er von denen ich euch erzählen werde – und die haben es definitiv in sich. Begonnen mit einem riesigen Jubiläum, über einen neuen Motorsegler, bis hin zum Verkauf des heiß begehrten Schulflugzeugs, des Blaniks. Eine ganz schön spannende Zeit, aber alles auf Anfang.

Pünktlich zur Jahrtausendwende stand das 50-jährige Jubiläum des Vereins vor der Tür und das wussten wir ordentlich zu feiern. In langer Vorarbeit wurde die Chronik des Vereins erarbeitet und in 1.000 Jubiläumsheften auf 135 Seiten abgedruckt. Durch zahlreiche Kontakte in die Fliegerwelt, konnte eine atemberaubende Flugshow für das Fliegerfest 2000 erarbeitet werden. Die Weltmeister der 4er Formation „SkyBox“ waren nur ein Teil des beeindruckenden Flugprogramms. Zur Feier des Tages, wurde das „Grunau Baby“ eingeflogen. Unser erstes Segelflugzeug, welches über 18 Monate hinweg von den Gründungsmitgliedern im Jahr 1951 erbaut wurde. Ein denkwürdiges Flugzeug für einen denkwürdigen Tag. Zum Schluss waren es über 6.000 Besucher, die gemeinsam mit uns das 50-jährige Bestehen des Vereins feierten. Im Herbst desselben Jahres, wurde das Ganze in Form eines Ehrenabends mit allen Mitgliedern, zahlreichen Fotos, gutem Essen und einer grandiosen Stimmung gebührend gefeiert. 

Über die 2000er hinweg gab es viele weitere Ereignisse und Veränderungen im Verein. Im Jahr 2001 wurde die Gründung der Modellfluggruppe beschlossen, welche sich noch heute an zahlreichen Mitgliedern erfreut. Im selben Jahr mussten wir einen Sturmschaden am Hallendach feststellen, welches innerhalb drei Tagen in Eigenleistung komplett erneuert wurde. Im Jahr 2003 fand das erste Jugendvergleichsfliegen statt. Ein Wettbewerb, in dem junge Piloten ihre fliegerischen Fähigkeiten messen konnten. Mit dabei waren drei Flugschüler, eine Jugendleiterin und der Ausbildungsleiter. Für vier von ihnen ging es mit dem Wohnwagen auf nach Eichstätt, der fünfte durfte das Segelflugzeug per Luft überführen – mit Sicherheit ein spannendes Erlebnis. Alle drei konnten sich einen Platz in den vorderen Rängen erfliegen.

Das Fluggelände Hienheim wuchs weiter und weiter. Die Landebahntonnen wurden mit der Zeit durch weiße Pflastersteine ersetzt und der Komfort am Flugplatz durch den Bau von Sanitäranlagen, sowie einer Versitzgrube erweitert.

Zeitgleich mit dem 30-jährigen Bestehen des Fluggelände Hienheim, wurde der Flugzeugpark um einen Motorsegler erweitert. Dabei handelte es sich um einen Rotax-Falken, der mit einer Schleppvorrichtung die Motormaschine im Schleppbetrieb unterstützen sollte. Das Kennzeichen D-KKEH wurde damals passend zum Landkreis gewählt.

Ein Abend im Jahr 2006 ist den Vereinsmitgliedern ganz besonders in Erinnerung geblieben. Es war das Abfliegen (das Ende der Flugsaison) an dem Hermann Leichtl bei feierlichem Anlass verkündete, dass es nun soweit war – er würde aufhören zu fliegen. Die Luft stand still. Herrmann Leichtl – Gründungsmitglied, Fluglehrer und Urgestein des Vereins. Ein leidenschaftlicher Kamerad der Fliegerei, der auf stolze 64 Jahre Flugsport zurückschauen konnte. Für seine 50 Jahre als Fluglehrer wurde ihm vom Bayerischen Ministerpräsidenten das Ehrenabzeichen verliehen. „Ich hatte ein schönes Fliegerleben, mir ist nie etwas passiert und darüber bin ich sehr froh. Aber jetzt ist es gut – nicht, dass mir auf die alten Tage doch noch etwas geschieht.“ So erzählen es seine damaligen Flugschüler, die stolz auf die Zeit zurückblicken und heut selbst aktive Piloten und Fluglehrer sind. Die Schulung mit ihm muss etwas Besonderes gewesen sein – denn als Neuling am Flugplatz, hat man immer den Eindruck, dass man etwas verpasst hat, weil man ihn nicht mehr als Fluglehrer erleben konnte. Ich selbst lernte ihn erst weit nach seiner aktiven Fliegerei kennen. Hermann Leichtl war dort oben auch danach stets anzutreffen und erzählte gerne seinen Geschichten. Im Oktober 2016 verstarb Hermann. Ein schöner Satz der mir Erinnerung bleiben wird, ist „Wenn ich das Bayerische Fernsehen anschaue, dann stell ich mir immer vor, dass sie mich dort oben am Flugplatz filmen und ich dann sagen kann ‚Ich bin da Hermann – und da bin ich daheim.‘“

Im Jahr 2008 wurden alle Segelflugzeuge und Motorsegler des Vereins mit dem sog. FLARM ausgestattet. Ein System, um die Sicherheit in der Luft zu verbessern. Mit moderner Elektronik wird der Pilot vor annähernden Flugzeugen gewarnt und somit die Kollisionsgefahr verringert. Noch im selben Jahr gab es in Österreich einen Unfall mit dem Flugzeugtyp Blanik, weswegen alle Segelflugzeuge dieser Art zunächst gegroundet wurden, so auch unser Schulungsflugzeug. Lediglich eine aufwendige Reparatur am Holm, von der es noch keinerlei Erprobungen gab, hätte die Flugfähigkeit wiederhergestellt. Die Auflagen waren so streng, dass der Segler selbst bei Reparatur nur weitere 700 Stunden hätte fliegen dürfen, bis er ausgemustert worden wäre. Die mangelnde Wirtschaftlichkeit dahinter zwang die Vorstandschaft letztlich dazu, die Reparatur abzulehnen und das allseits beliebte Flugzeug zu verkaufen. Zahlreiche unvergessliche Anekdoten erinnern noch heute an den Blechflieger, der ganze 44 Dienstjahre und 7.414 Starts im Verein verbracht hat. Die Fowlerklappen waren es, die den Segler zu etwas so Besonderem gemacht haben. „Keiner setzte sich so majestätisch hin wie der Blanik“ erinnert sich heute ein Flugschüler von damals.

Am Ende der 2000er bot Robert Lehner, Fluglehrer des Vereins, zum ersten Mal das Wahlfach Segelflug in der Realschule Abensberg an. Dort wurde unterm Jahr die Theorie unterrichtet, sowie das Simulatorfliegen erprobt. In den darauffolgenden Pfingstferien konnte man dann durch die Schnuppermitgliedschaft am Zeltlager teilnehmen und selbst fliegen. Dadurch konnte der Verein in kurzer Zeit viele neue Mitglieder gewinnen, die das Vereinsleben im nächsten Jahrzehnt schon wieder verändert haben. Aber dazu beim nächsten Mal mehr.

Der Bericht ist deutlich länger geworden als das ursprünglich geplant war, aber in den 2000er ist einfach zu viel passiert, was ich euch nicht vorenthalten wollte. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen. Bis zum nächsten Mal!

Ein aktueller Schnappschuss vom Platz bei dem Sauwetter.

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